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Win-Win am Runden Tisch: Vertreter der deutschen und kasachischen Wohnungswirtschaft treffen sich in Berlin zu partnerschaftlichem Austausch


 

Am 27. März lud der Botschafter der Republik Kasachstan, Bolat Nussupov, Vertreter der deutschen und kasachischen Wohnungs- und Kommunalwirtschaft zu einem Runden Tisch „Wohnungswirtschaft Kasachstan – Herausforderungen und Perspektiven“ in die Botschaft in Berlin. Zentrales Anliegen der Veranstalter war es, den Teilnehmern aus Deutschland ein klares Bild über die Geschichte und Situation, die Herausforderungen und Strategien im Wohnungs- und Gebäudewesen Kasachstans zu vermitteln und gemeinsam mögliche Themen und Ansätze für die deutsch-kasachische Zusammenarbeit zu diskutieren. Die kasachischen Gäste am Runden Tisch sind Teilnehmer einer Studienreise im Rahmen des Projekts Pro House – Professional Housing Management in Kazakhstan and Uzbekistan, die von IWO organisiert und durchgeführt wird. Pro House wird von der EU gefördert und von IWO geleitet, weitere deutsche Partner im internationalen Konsortium sind der DDIV und das EBZ.

In seiner Begrüßung betonte Botschafter Nussupov die Bedeutung und Partnerschaftlichkeit der deutsch-kasachischen Beziehungen und hob die bewährte Zusammenarbeit insb. im Wirtschafts- und Energiebereich hervor. Kasachstan profitiere bereits von deutscher Expertise und Kooperation in Sachen Energieeffizienz und Energieeinsparung sowie Technologien und baue auch in Zukunft auf diese Unterstützung. Eine enge Zusammenarbeit mit Deutschland ist zudem für die politische Zielsetzung eines „Digitalen Kasachstans“ sowie beim Innovations- und Technologietransfer vorgesehen. Kasachstan, das einen höchst energieintensiven Industriesektor hat, bereitet derzeit die Einführung von „Industrie 4.0“ nach deutschem Vorbild vor. In der Jahresbotschaft 2018 vom 10. Januar hatte Präsident Nursultan Nasarbajew unter anderen dem Thema „Einführung moderner Technologien im Bau- und Kommunalbereich“ Priorität beigemessen. Neben der Jahresbotschaft des Präsidenten bilden vor allem die politische Strategie „Kasachstan 2050“ und der Aktionsplan „Nationaler Plan der 100 konkreten Schritte“ den plannerischen Unterbau für die Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft im größten der Land Zentralasiens.

In Bezug auf die Wohnungswirtschaft ergänzte der Botschafter die Themen „Sozialer Wohnungsbau“ und „Nachhaltige Entwicklung der Wohnungs- und Kommunalwirtschaft“, die von zentralem Interesse für die Republik seien und für die die Zusammenarbeit mit der Wohnungs- und Verwaltungswirtschaft in Deutschland von großem Nutzen wäre. Er schlug vor, sie auch auf Ebene bilateraler politischer Gremien ein- und voranzubringen. Außerdem hob er die Vereinbarung zwischen GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V., IWO und dem Kazakhstan Center for Modernisation and Development of Housing and Communal Services JSC (KazZentr), die durch ein gemeinsames MoU im November 2017 beschlossen wurde, als eine wichtige Grundlage für die künftige gemeinsame Arbeit und Bewältigung der Herausforderungen und Fragen im Wohnungswesen hervor. Auch Projekte wie Pro House, in dessen Rahmen die kasachische Delegation nach Berlin gereist ist, seien ein wichtiger Beitrag zur Zusammenarbeit.

Axel Gedaschko, Präsident des GdW und eingeladener Hauptredner am Runden Tisch, stimmte den Ausführungen und Anregungen des Botschafters zu. Es sei ebenfalls im Interesse der deutschen Wohnungswirtschaft, gemeinsam Lösungen für die vom Botschafter angesprochenen Probleme zu entwickeln und dabei auch den Aspekt der Finanzierung weiter zu erörtern, und das besagte MoU bilde dafür einen guten und ausbaufähigen Rahmen. Gedaschko verwies auf einige parallele Herausforderungen, vor denen die Wohnungssektoren beider Länder stünden, darunter die Zersiedelung ländlicher Gebiete und den zumeist wirtschaftlich motivierten Zuzug der Bevölkerung in mittlere und große Städte. Es gehe zudem darum, bei stark gestiegenen Baukosten weiterhin bezahlbaren Wohnraum für Bürger mittleren Einkommens zu schaffen. Im Bezug auf die Aufgaben für den globalen Klimaschutz spiele neben Energieeffizienz das Thema der dezentralen Energieerzeugung eine große Rolle und verschaffe den deutschen Wohnungsunternehmen eine neue Rolle – sie gehen künftig auch als Energieerzeuger in den Markt.

Ruslan Muzdybekov, der das kasachische Ministerium für Investitionen und Entwicklung vertrat, legte den Fokus auf die Rolle und Schwierigkeiten im Bereich der Verwaltung und kommunalen Dienstleistungen für Wohnungseigentümer in Mehrfamilienhäusern in Kasachstan. Der ausgewachsenen und weiter steigenden Unzufriedenheit der Bewohner müsse durch Maßnahmen und Qualifizierungen bezüglich der Verwaltungsunternehmen begegnet werden. Mit Gesetzesvorgaben für die Organisation von Wohnungseigentümern in Kondominien und die separate (Rücklagen)Kontoführung durch Verwaltungsunternehmen für jedes einzelne Mehrfamilienhaus, die mehr Transparenz erlaube und eine weitere organisatorische Grundlage für die Sanierung von Mehrfamilienhäusern schaffe, sind erste Schritte in diese Richtung unternommen worden.

In der darauffolgenden Gesprächsrunde, von IWO-Geschäftsführer Knut Höller moderiert, wurden Probleme offen und konstruktiv angesprochen. Höller pflichtete dem Botschafter bei, dass durch Projekte wie Pro House und Initiativen wie das MoU zwischen GdW, IWO und KazZentr und den Runden Tisch konkrete Handlungsmöglichkeiten und -rahmen für gezielte deutsch-kasachische Kooperationen geschaffen werden. Wichtig sei zudem die Vernetzung der Stakeholder in diesem großen Sektor, um gemeinsamen Herausforderungen und Aufgaben gezielt begegnen zu können.

„Die Wohnungswirtschaft in Kasachstan ist ein komplexer Bereich und für deutsche Akteure nicht immer leicht zu verstehen“, führte Herr Höller auch mit Blick auf die IWO-Erfahrungen aus mehr als 16 Jahren Projekt- und Netzwerktätigkeit in Osteuropa aus, und lud die beiden Vertreter der Stadt Almaty und von KazZentr ein, den deutschen Teilnehmern einen Überblick über die Lage und Strategien im Wohnungssektor Kasachstans zu geben.

Olzhas Shimirov von der Stadt Almaty stellte den Bedarf für die Entwicklung der bisher unvollkommenen Gesetzgebung im Bereich Wohnungs- und Kommunalwesen in den Mittelpunkt. Neben Informationen zum Programm für Wohnaussanierungen stellte er das Pilotprojekt „E-KSK“ vor, das derzeit von der Stadt im Bereich Digitalisierung der Verwaltungs- und kommunalen Dienstleistungen vorbereitet wird und Anfang 2019 starten soll. Als weiteren wichtigen Bedarf nannte Shimirov die Mobilisierung des bisher geringen bürgerlichen Engagements. Er sei sehr am Erfahrungsaustausch mit Deutschland in diesem Bereich interessiert, um mögliche Maßnahmen für den Kontext in Astana und Kasachstan ableiten zu können.

Aidar Makhambet vom KazZentr wies darauf hin, dass für ein Land wie Kasachstan, in dem es im Norden bis zu -45°C und im Süden bis zu +50°C wird, „one-fits-all“ Lösungen nicht sinnvoll und möglich, sondern für die verschiedenen Sektoren und eben auch die Wohnungswirtschaft regional zugeschnittene und individuelle Strategien und Herangehensweisen erforderlich sind. Im Bereich der Energieeffizienz sehe er Bedarf für die Entwicklung und/oder Anwendung innovativer Lösungen insbesondere in drei Bereichen: erstens bei energieeffizienten Baustoffen wie Fenstern und Türen, Dämmmaterialien, Beton und Backstein, Konstruktionsmaterialien – wobei hier zumindest ein Angebot und Markt in Kasachstan existiert. Zweitens bei Metering und Monitoring von Energie-, Wärme- und Wasserverbrauch – ungeachtet ihres Nutzens ist der Markt für solche (digitalen) Messgeräte bisher nicht erschlossen. Drittens bei der Digitalisierung, die in allem Bereichen Einzug hält und mit komplexen Themen wie Big Data und Block Chain verbunden ist. Makhambet hob hervor, wie wichtig entsprechende Aktivitäten in Forschung und Entwicklung, Technologietransfer, Ausbildung und Demonstration sind.

Im Verlauf der Diskussion am Runden Tisch warf Werner Merkel einen kurzen Blick zurück, um Versäumnisse im Wohnungs- und Verwaltungsbereich aus der Zeit der Sowjetunion einzuordnen. Die wenig systematische Privatisierung von Wohnraum und damit einhergegangene Deformierung des Wohnungsmarktes mit tausenden und Millionen von Einzeleigentümern sei ein Faktor, der den Entscheidern auch bei heutigen Reformvorhaben bewusst sein und von ihnen in Betracht gezogen werden müsse. Für die Selbstverwaltung stehen weiterhin zentrale Gesetze aus. Die Erwartungshaltung der Bevölkerung gegenüber dem Staat als letztlich Verantwortlichen in allen Belangen sei noch immer weit verbreitet und eine große Herausforderung bei der Motivierung von Bewohnern zu Sanierungsmaßnahmen und bei der Qualitätssicherung der Wohnungsverwaltung. Merkel bestätigte die Anmerkungen einiger Vorredner, darunter dem anwesenden Vertreter des kasachischen Verbands der Wohnungsverwalter und Verwaltungsserviceunternehmen, dass Gebäude durch Fachleute verwaltet werden müssen, um die Qualität der energetischen Instandhaltung und -setzung zu gewährleisten und den Markt entsprechend weiterzuentwickeln: „Verwalter fallen nicht vom Himmel. Sie müssen ausgebildet werden“, erklärte Merkel.

Im Hinblick auf die Steigerung der Energieeffizienz gab Axel Gedaschko zu bedenken, dass auch in Deutschland der Großteil der Investitionen und Maßnahmen für Energieeffizienz nicht zum Selbstzweck durchgeführt werden, sondern wirtschaftlich motiviert seien. Für Kasachstan sei es deshalb wichtig, das Verhältnis von Subventionierung von Energie und die Subventionierung von Energieeinspar- und Energieeffizienzmaßnahmen zu prüfen und zu überdenken. Zugleich dürfe eine mögliche Reduzierung der Subventionen auf Energie nicht ungehalten auf die Bevölkerung und Bewohner zurückfallen. Hier sei eine sorgsame Annährung an mögliche Lösungen erforderlich.

„In Kasachstan hat langsam aber stetig ein Umdenken dahingehend begonnen, dass Energie einen Preis hat“, sagte der Botschafter. Die Entwicklungen und auch die Zusammenarbeit mit den deutschen Partnern stimmten ihn positiv, dass Kasachstan seine strategischen Zielsetzungen im Wohnungs- und Kommunalbereich erfolgreich verfolgen und umsetzen wird. Dialogformate wie der Runde Tisch seien dabei kleine, aber wichtige Schritte und im offenen Gespräch miteinander entstehe für beide Seiten eine Win-Win-Situation. Diese Einschätzung und Perspektive wurde am Tisch einhellig geteilt und wird in weitere Gespräche und gemeinsame Kooperationen tragen.

 



Kontakt

Larissa Schreckenbach
Tel: +49 30 20 67 9802
schreckenbach@iwoev.org

 

Eindrücke vom Runden Tisch

Botschafter Nussupov (dritter von links) eröffnet den Runden Tisch und lädt die kasaschischen und deutschen Teilnehmer zum offenen, partnerschaftlichen Dialogein. Fotos: IWO e.V.
von vorne nach hinten: Pro House Projektpartner Prof. Just (EBZ), Moderator Höller (IWO) und Gastredner Gedaschko (GdW) sowie weitere Teilnehmer beim Gespräch am Runden Tisch
v.l.n.r.: Axel Gedaschko (GdW), Werner Merkel (DDIV, vegis immobilien), Botschafter Bolat Nussupov beim Empfang im Anschluss an den Runden Tisch

Programm (deutsch)

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