Menü Sprachauswahl:

Initiative Wohnungswirtschaft Osteuropa (IWO) e.V.Initiative Wohnungswirtschaft Osteuropa (IWO) e.V.


Menü Service-Seiten:

Modellvorhaben Deutsch-Ukrainische Effizienzhäuser


Als Partner der Deutschen Energie-Agentur (dena) und Teilnehmer in der „Initiative Energieeffizienz Ukraine“ beteiligt sich der IWO e.V. seit 2016 an dem Vorhaben, die Energieeffizienz in ukrainischen Mehrfamilienhäuser zu erhöhen und maßgebliche Grundlagen für ein nationales Förderprogramm für die Wohngebäudesanierung zu schaffen.

Gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) stellt das Projekt praktische Erkenntnisse rund um ausgewählte Modellvorhaben in den Mittelpunkt – daraus gewonnene Erkenntnisse sollen zugleich die inhaltliche Entwicklung des geplanten Förderprogramm und dafür geeignete Rahmenbedingungen sowie die schrittweise Einführung moderner Energiestandards unterstützen. Vor diesem Hintergrund arbeiten die dena und der IWO mit staatlichen und kommunalen Akteuren sowie Verbänden in der Ukraine zusammen.

Für den aktuellen Reformkurs der Ukraine kommt der umfänglichen und nachhaltigen Steigerung der Energieeffizienz eine Schlüsselrolle zu: Betreffende Schritte, Maßnahmen und Fortschritte sind eng mit den dringenden Handlungsbedarfen zur Reduzierung der Energieimporte, Entwicklung regionaler Wirtschaftsstrukturen und Wettbewerbsfähigkeit verbunden. Der Gebäudebereich stellt denjenigen Wirtschaftssektor mit dem größten Energieeinsparpotential im Land dar: auf ihn entfallen in der Ukraine etwa 35 bis 40 Prozent des Endenergieverbrauchs - betrachtet man dazu den für die Energieimporte ausschlaggebenden Verbrauch von Erdgas im Wohngebäudebereich, kommt letztgenanntem sogar ein Anteil von rund 55 Prozent zu.

Etwa die Hälfte der ukrainischen Bevölkerung lebt in Eigentumswohnungen in Mehrfamilienhäusern sowjetischer Bauserien, die aus heutiger Sicht nur energetische Minimalstandards erfüllen. Ein beträchtlicher Teil von etwa einem Drittel dieser gut 240.000 Gebäude ist in baufälligem, sanierungsbedürftigem Zustand. Durch eine zeitgemäße Sanierung der Gebäudehülle und -technik sowie der Wärmeversorgung können wirtschaftlich sinnvolle Energieeinsparungen von bis zu 70 Prozent erreicht werden. Mit der seit 2014 durchgesetzten schrittweisen Anhebung der Energiepreise für Endverbraucher und Kürzung von Energiesubventionen bei gleichzeitig sinkenden Realeinkommen nimmt der Druck zur Verbesserung der energetischen Qualität auch bei den Wohneigentümern zu. Das Marktpotential ist überaus groß, der wirtschaftliche Anreiz für Investitionen in Energieeffizienz steigt. Ein durchdachtes Förderprogramm kann zusätzlich ausschlaggebende Anreize schaffen und den Anstoß für zunehmende, großräumigere Gebäudemodernisierungen geben.

Bisher gibt es in der Ukraine nur wenige, meist regionale Förderprogramme für die Steigerung von Energieeffizienz in Wohngebäuden. Durch diese werden kleinere Einzelmaßnahmen finanziert, die jedoch ohne eine Verbindung und Koordinierung mit umfassenderen Sanierungsmaßnahmen nur sehr begrenzte Wirkung haben. Strukturelle Hemmnisse liegen unter anderem im Fehlen von belastbaren Finanzierungsinstrumenten, in teils ungeklärten Eigentumsverhältnissen, einem fehlenden Bewusstsein der Wohnungseigentümer ob ihrer Einflussmöglichkeiten und des Themas Energieeffizienz sowie in fehlenden Gebäude- und Energiestandards.

Das Projekt ist ein einzigartiges Vorhaben in der Ukraine, das umfängliche und komplexe Sanierungen von Wohngebäuden zum Gegenstand hat und dabei ein ganzheitliches Vorgehen unter Berücksichtigung sozialer, organisatorischer, technischer und wirtschaftlicher Aspekte verfolgt. In einem koordinierten Auswahlprozess wurden in der jüngsten Projektphase zunächst 20 Gebäude als Modellprojekte identifiziert, durch deren Zusammenstellung verschiedene (Klima-)Regionen, die wichtigsten Gebäude-/Bauserientypen sowie alle Wohnungsverwaltungsformen repräsentiert sind.

Ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg der geplanten energetischen Sanierungen ist die Einbindung der und Zusammenarbeit mit den Wohnungseigentürmern. Sie werden mittels maßgeschneiderter Sanierungskonzepte, Finanzierungsvorschläge, qualitätssichernder Baubegleitung und Beratung über den gesamten Prozess unterstützt. Bei erfolgreichem Sanierungsabschluss erhalten die Häuser das dena-Gütesiegel „Effizienzhaus“. Die Projektpartner erarbeiten daher Sanierungskonzepte und -fahrpläne einschließlich Kostenschätzung, die mit den Wohnungseigentümern bei Versammlungsterminen abgestimmt und für die praktische Umsetzung vorbereitet werden. Auf der Basis der abgestimmten Konzepte planen und leiten die Bewohner und Eigentümer das weitere Vorgehen und werden dabei wiederum weitreichend von den Projektpartnern und eingebundenen Experten unterstützt. Koordinierte Baumaßnahmen werden 2018 durchgeführt und ebenfalls von dena und IWO sowie weiteren eingebundenen Experten beratend begleitet.

Zentrale Schritte bei Planung und Umsetzung der Konzepte:
● Identifizierung der wirtschaftlichsten Sanierungsmaßnahmen pro Gebäudetyp
● Unterstützung bei der Erstellung des optimalen Finanzierungsschemas
● In der Planungsphase: Ausschreibung für Architekten / Planer, fachliche Begleitung der ukrainischen Spezialisten
● In der Bauphase: Ausschreibung für Sanierungsarbeiten, Begleitung auf der Baustelle – fachliche Schulungen
● Zertifizierung nach Fertigstellung (vgl. dena-Gütesiegel) und fortlaufendes Monitoring

Insgesamt zielt das Projekt auf
● die Etablierung eines verstetigten und belastbaren Dialogs mit der Regierung der Ukraine zu Fragen der Energieeffizienz im Gebäudesektor,
● den Know-how-Transfer zur Durchführung von umfassenden energetischen Sanierungen an politische Entscheider auf nationaler und regionaler Ebene sowie an Fachleute,
● die Sensibilisierung der Bevölkerung zu Fragen der Energieeffizienz durch umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit,
● die Koordination der Aktivitäten mit anderen deutschen und internationalen Organisationen zur Nutzung von Synergien,
● die Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität für die Bewohner.

Projektrelevante Erfahrungen des IWO e.V.

IWO e.V. arbeitet seit 2001 kontinuierlich in der Ukraine und in anderen postsowjetischen Ländern, darunter den baltischen Ländern, Belarus, der Russischen Föderation und in den zentralasiatischen Ländern Usbekistan und Kasachstan. Seine hohe regionale Kompetenz und Praxis im Bereich Transformation des Gebäude- und Wohnungswesens in den Ländern Osteuropas und Zentralasiens hat der Verein durch eine Vielzahl von Länderprojekten und -Fachaufenthalten erworben.

In der Ukraine sammelte IWO e.V. in zahlreichen Projekten umfangreiche Kenntnisse über die Rahmenbedingungen zur Verbesserung der Energieeffizienz in Gebäuden und engagierte sich bei der Ausbildung von lokalen Sanierungsmanagern, dem Erstellen von Sanierungskonzepten für typische Mehrfamiliengebäude und in Kooperationsprojekten mit Wohnungseigentümern, lokalen regionalen und staatlichen Institutionen sowie zivilgesellschaftlichen Organisationen. Dadurch entstand das umfassende regionale Netzwerk des Vereins. Seit seiner Gründung hat der Verein zudem den Prozess der energetischen Gebäudesanierung in baltischen Ländern begleitet und wertvolle Erfahrungen im Umgang mit dem privatisierten Wohnungsbestand gemacht. Modellvorhaben beinhalteten die energetische Sanierung in elf typischen Plattenbau-Gebäuden sowjetischen Bautyps in Lettland und Estland (2003-2010) und die Koordinierung und Begleitung der relevanten Stakeholder (kommunale, staatliche Ebene, Finanzierungseinrichtungen) sowie lokal Beteiligten (Wohnungseigentümer/ -verwaltungen, Planungsbüros, Bauunternehmen).

BAnfang 2018 schloss IWO das von der EU geförderte Projekt HOME zur Stärkung von Wohneigentümergemeinschaften u.a. in der Ukraine ab. In diesem Projekt wurden fünf Beratungszentren in verschiedenen ukrainischen Regionen für die Ausbildung von Verwaltern und die Information der Eigentümer gebildet. Diese Beratungszentren bieten weiterhin Synergien, was die lokale Begleitung und Unterstützung der Modellvorhaben im dena-Programm betrifft. Die meisten Modellvorhaben befinden sich im geografischen Einzugsbereich der Beratungszentren. Hier können vielfältige Verknüpfungen und Multiplikatoreffekte identifiziert und genutzt werden.

 

Kontakt

Larissa Schreckenbach
Tel: +49 30 20 67 9802
schreckenbach@iwoev.org


Über die Initiative Energieeffizienz Ukraine

Um die Kapazitäten und Anstrengungen auch auf deutscher Seite für das Ziel der Verbesserung der Energieeffizienz in der Ukraine zu verstärken und zu bündeln, hat IWO e.V. 2014 gemeinsam mit dem Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft und dem Kompetenzzentrum Großsiedlungen e.V. die Initiative Energieeffizienz Ukraine gegründet. Dieser Initiative traten 2015 die dena, BE Berlin Economics GmbH und die Delegation der deutschen Wirtschaft in der Ukraine bei. Im aktuellen Ukrainevorhaben kann nunmehr auf die persönlichen und fachlichen Beziehungen innerhalb dieses Aktionsbündnisses und die mit einzelnen Partner bereits realisierten Projekte zurückgegriffen werden.

Projektleitung und -partner


Menü Rechtliches: