Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat die baltischen Länder, vor allem Lettland schwer getroffen. Das Bruttoinlandsprodukt verliert im Jahre 2009 rund 20 % gegenüber dem Vorjahr. Die Binnennachfrage ist stark rückläufig und insbesondere der Bausektor verzeichnet hohe Einbußen. Der Neubau von Wohnungs- und Gewerbeimmobilien ist nahezu zum Erliegen gekommen. Diese Entwicklung bekommt auch IWO-Mitglied profine Baltic, deren Marktanteil bei PVC-Fensterprofilen bei ca. 30 % liegt, zu spüren.
Das Unternehmen setzt daher ebenso wie die lettische Regierung darauf, dass der bisher vernachlässigte Wohnungsbestand saniert wird. In dem Land mit seinen 2,4 Mio. Einwohnern wohnen mehr als die Hälfte der Bewohner in 416.000 Wohnungen in Mehrfamiliengebäuden. Überwiegend sind dies Plattenbauten, die vor 1990 errichtet wurden und schon lange dringend sanierungsbedürftig sind.
Das Potential der energetischen Sanierung der Plattenbauten beträgt mindestens 4 Mrd. Euro. (ca. 10.000 Euro je durchschnittliche Wohnung für Erneuerung der Fenster, Dämmung der Gebäudehülle und Erneuerung der Heizungsanlagen).
Der Sanierungsprozess wird vor allem dadurch verzögert, dass 85% der Wohnungen an die Bewohner privatisiert sind und weder ausreichende Informationen über die Sanierung noch attraktive Förderinstrumente, wie z.B. in Deutschland über die KfW-Programme oder lokale Kreditangebote zur Verfügung stehen.

Im Oktober 2009 konnte in Jelgava, der viertgrößten Stadt in Lettland, ein Sanierungsprojekt nach deutschem Standard EnEV 2007 fertig gestellt werden. An der Projektumsetzung war aktiv das IWO-Mitglied Ingenieurgesellschaft BBP Bauconsulting mbH beteiligt. Das Planungsbüro wirkte an der Planung mit und überwachte die bauliche Umsetzung. IWO-Mitglied Techem stattete das Gebäude mit moderner Verbrauchsmesstechnik aus.
Das Gebäude ist bereits das zehnte energetische Sanierungsvorhaben, an dem die Initiative Wohnungswirtschaft Osteuropa (IWO) e.V. in Lettland mitgewirkt hat. Das Beispielprojekt wurde vom deutschen Umweltministerium und der KfW Bankengruppe gefördert und setzt hinsichtlich der Qualität neue Maßstäbe im Baltikum. Bei diesem Projekt wird eine besonders hohe Energieeinsparung von mehr als 50 % Prozent erwartet. Das Umsetzungskonzept soll sowohl die Wohneigentümer und als auch das lettische Wirtschaftsministerium überzeugen und beispielgebend für die Ausrichtung der künftigen Finanzierungs- und Förderpolitik in Lettland sein. Dem Land stehen in den nächsten Jahren Mittel aus den europäischen Strukturfonds zur Verfügung, die auch für die Gebäudesanierung eingesetzt werden sollen. Das Wirtschaftsministerium, Kommunen und auch Wohneigentümergemeinschaften werden dabei aktiv von Ivars Buls, dem profine Repräsentanten in Lettland und Knut Höller, dem geschäftsführenden Vorstand von IWO e.V. und seinem Team beraten.
Den hohen Marktanteil von profine Baltic zu halten bzw. auszubauen und die Umsätze durch Absätze bei der Wohngebäudesanierung wieder nach oben zu bringen, ist das Ziel von Ivars Buls. Als Vorstandsmitglied des lettischen Verbandes der Fenster- und Türenhersteller arbeitet der darüber hinaus am Verbot zinkhaltiger Verbindungen in Fensterprofilen. Das zuständige Wirtschaftsministerium wird in Kürze darüber entscheiden. Die Chancen für mehr „greenline“ wären damit auch in Verbindung mit dem aktuellen Effekt des qualitativ hochwertigen Sanierungsprojektes in Jelgava besser als zuvor. Lettland wäre dann der erste Markt in Osteuropa, der „greenline“ ist.