News
Workshop zur Stärkung der Resilienz im kommunalen Wohnungssektor in der Ukraine
Gemeinsam mit Partnerorganisationen hat die Initiative Wohnungswirtschaft Osteuropa (IWO e.V.) im April einen zweitägigen Workshop in Zhytomyr durchgeführt, der Vertreterinnen und Vertreter aus sechs ukrainischen Pilotstädten, Zhytomyr, Poltava, Kremenchuk, Bila Tserkva, Mykolaiv und Kalush, zusammenbrachte. Im Fokus der Veranstaltung stand die Stärkung der Resilienz im kommunalen Wohnungssektor.
Die Veranstaltung brachte internationale Organisationen, wissenschaftliche Einrichtungen, Fachleute und Nichtregierungsorganisationen zusammen. Sie markierte zugleich das erste gemeinsame Treffen der Arbeitsgruppen der Partnerstädte. Im Rahmen des Workshops wurden analytische Ergebnisse und Handlungsempfehlungen für Zhytomyr, Poltava und Kremenchuk vorgestellt sowie ein intensiver Austausch zwischen den Pilotstädten ermöglicht.
Der Workshop fand in einer entscheidenden Phase statt, in der die Ukraine ihre nationale Wohnungsreform vorantreibt und ihr rechtliches Rahmenwerk an europäische Standards anpasst, einschließlich der Verpflichtungen im Rahmen der Ukraine Fazilität und der EU-Integrationsagenda. In diesem Kontext entwickeln die Pilotstädte aktiv Strategien für den kommunalen Wohnungssektor, die auf Resilienz ausgerichtet sind, lokale Governance-Strukturen neu denken und investitionsfähige Modelle für bezahlbaren kommunalen Wohnraum schaffen. IWO bewertet die Unterstützung der Städte in diesem komplexen Transformationsprozess als wichtigen Meilenstein.
Nach nahezu einjähriger Zusammenarbeit im Rahmen des SUR-Projekts präsentierte IWO umfassende Analysen und strategische Empfehlungen. Diese umfassen:
- den Zustand des vorhandenen Wohnungsbestands sowie Investitionsbedarfe („Renovation Debt“),
- die Analyse des Wohnungsangebots im Verhältnis zu Einkommen von Bevölkerung und Binnenvertriebenen (IDPs),
- Strukturen und Praktiken der Wohnungsverwaltung sowie institutionelle Kapazitäten,
- Ergebnisse einer repräsentativen Befragung von Binnenvertriebenen in allen beteiligten Städten in Kooperation mit dem Institut Operatyvna Sociologiya.
Die Analyse zeigt, dass Binnenvertriebene überwiegend auf den privaten Mietmarkt angewiesen sind. Gleichzeitig unterscheiden sich die demografischen Strukturen je nach Stadt erheblich wie etwa ein erhöhter Bedarf an barrierefreiem Wohnraum und altersgerechten Angeboten in Poltava, was differenzierte wohnungspolitische Lösungen erfordert. In diesem Zusammenhang wird deutlich, dass die Rahmenbedingungen im privaten Mietmarkt verbessert werden müssen, unter anderem durch stärkere kommunale Maßnahmen und regulatorische Ansätze.
Die verschiedenen Analyseebenen ermöglichen ein umfassendes Bild der lokalen Wohnungsmärkte und liefern eine Grundlage für die systematische Wiederherstellung und Weiterentwicklung des Sektors. Die Ergebnisse tragen zudem zur besseren Koordination nationaler und internationaler Akteure im Wiederaufbauprozess bei. Bei der Entwicklung der Methodik orientierte sich IWO unter anderem an der deutschen Wohnungsmarktbeobachtung.
Pilotprojekte spielen dabei eine zentrale Rolle: Kommunale und von NGOs initiierte Wohnungsprojekte sowie umfassende Sanierungsmaßnahmen dienen als praktische Lernplattformen. Städte mit entsprechender Erfahrung verfügen nachweislich über eine höhere Kompetenz und Umsetzungskapazität im kommunalen Wohnungsbau. Gleichzeitig bereiten diese Pilotvorhaben den Boden für größere Investitionen und strukturelle Veränderungen.
Die Dynamik wird auch auf politischer Ebene sichtbar: Im April 2026 verabschiedeten die deutsche und die ukrainische Regierung im Rahmen ihrer ersten Regierungskonsultationen seit 2004 eine Strategische Partnerschaftserklärung. Diese umfasst unter anderem die gemeinsame Förderung von bezahlbarem und sozialem Wohnraum, die Integration vulnerabler Gruppen sowie den Aufbau kommunaler Wohnungsunternehmen, einschließlich finanzieller Unterstützung aus Deutschland. Darüber hinaus sollen gemeinsame Investitionsprojekte angestoßen werden, die auch deutschen Unternehmen Beteiligungsmöglichkeiten eröffnen.
Der Workshop wurde im Rahmen des Projekts „Strengthening of Urban Resilience in the Areas of Supply Infrastructure and Housing“ (SUR) umgesetzt. Dieses ist Teil der deutschen Strukturbildenden Übergangshilfe, beauftragt vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und durchgeführt von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ Ukraine) GmbH.
IWO spricht allen beteiligten Partnern, Expertinnen und Experten sowie den beteiligten Städten für ihre Zusammenarbeit, ihr Vertrauen und ihr Engagement großen Dank aus. Ihr Einsatz bildet die Grundlage für nachhaltige Entwicklungen im ukrainischen Wohnungssektor.
Dekarbonisierung von Wohngebäuden in Kasachstan: Roadmap
ENABLE-Synergien mit internationalen Initiativen: die Partner des EU-Projektes ENABLE setzten ihre 2024 begonnene Zusammenarbeit in Kasachstan fort mit: dem Deutsch-Kasachischer Energiedialog – dem offiziellen Format der Zusammenarbeit zwischen den Regierungen der...
Wie kann in der Ukraine zügig und nachhaltig Wohnraum bereitgestellt werden?
Die Bereitstellung von Wohnraum ist eine Priorität für den Wiederaufbau der Ukraine. Insbesondere bezahlbarer Wohnraum ist eine sehr wichtige Voraussetzung dafür, dass Menschen in der Ukraine bleiben oder dorthin zurückkehren. Die Jahrestagung „Voices, Visions,...
Online-Schulungsprogramm des EU-Projekts ENABLE in Kasachstan – Training of Trainers (ToT)
In den Jahren 2024–2025 wurde das ToT-Programm durchgeführt, das auf die Entwicklung beruflicher und zivilgesellschaftlicher Kompetenzen im Bereich der Verwaltung und energieeffizienten Modernisierung von Mehrfamilienhäusern (MFH) sowie auf die Stärkung des Potenzials...





