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Berliner Erfahrungen bei der Erneuerung des Wohnungsbestands für die Stadt Aktobe

3. Juni 2026

Zusammenarbeit mit den Maslikhat

Die Bildungsreise einer Delegation aus Aktobe nach Berlin stellte eine praktische Fortsetzung der systematischen Zusammenarbeit zwischen dem Fonds für die Entwicklung des Parlamentarismus in Kasachstan (Astana, Kasachstan), einem Partner des EU-Projekts ENABLE, und den lokalen Vertretungsorganen Kasachstans – den Maslikhats (gewählte kommunale oder regionale Parlamente) – dar.

Die Zusammenarbeit mit den Maslikhats ist ein wichtiger Bestandteil der Aktivitäten des EU-Projekts „ENABLE – Empowered Civil Society for a Sustainable and Efficient City“. Denn Fragen der Wohnungs- und Kommunalwirtschaft, der Energieeffizienz, der Modernisierung von Mehrfamilienhäusern sowie der Bürgerbeteiligung stehen in direktem Zusammenhang mit Entscheidungen, die auf lokaler Ebene getroffen werden.

Ende 2025 wandte sich die Vorsitzende des Maslikhats der Stadt Aktobe, Anar Darzhanova, an die „Initiative Wohnungswirtschaft Osteuropa“ (IWO) mit dem Vorschlag, einen Arbeitsbesuch einer kasachischen Delegation in Deutschland zu organisieren. Ziel war es, Erfahrungen im Bereich der Energieeffizienz von Gebäuden, der Modernisierung des Wohnungsbestands sowie der Verbesserung der Qualität von Dienstleistungen in der Wohnungs- und Kommunalwirtschaft zu sammeln.

Was die Delegation in Berlin gelernt hat

Vom 11. bis 15. Mai 2026 besuchte eine Delegation aus der Stadt Aktobe Berlin. Der Delegation gehörten Vertreter des Maslikhats und des Akimats (Stadtverwaltung) der Stadt Aktobe sowie Fachleute aus dem Bausektor an.

Das von der Initiative Wohnungswirtschaft Osteuropa (IWO e.V.) entwickelte Besuchs- und Bildungsprogramm konzentrierte sich auf die energieeffiziente Modernisierung des Bestands an Mehrfamilienhäusern. Im Mittelpunkt standen der fachliche Austausch sowie die Vermittlung praktischer Erfahrungen und bewährter Ansätze aus Deutschland.

Einen umfassenden Einblick in den deutschen Ansatz zur Dekarbonisierung des Wohnungsbestands gaben Expertinnen und Experten der Deutschen Energie-Agentur (dena). Themen der Präsentationen waren die Energiewende, Förderprogramme, Praxisbeispiele aus der Gebäudesanierung, die Qualitätssicherung von Sanierungsmaßnahmen sowie die Rolle von Energieberaterinnen und Energieberatern im Sanierungsprozess. Auf besonderes Interesse bei den kasachischen Teilnehmenden stießen die internationalen Erfahrungen der dena, insbesondere ihre Projekte in China.

Vertreterinnen und Vertreter der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft Gewobag führten die Delegation durch die Berliner Wohnsiedlung „Buckower Höfe“. Im Rahmen der thematischen Exkursion wurden konkrete Lösungen zur energieeffizienten Modernisierung von Mehrfamilienhäusern aus den 1970er Jahren vorgestellt. Darüber hinaus erhielten die Teilnehmenden Einblicke in Maßnahmen zur Aufstockung bestehender Gebäude, zum Neubau von Wohnraum, zur Erneuerung der technischen Infrastruktur sowie zur Gestaltung der Außenanlagen.

Der nächste Programmtag war dem Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf ─ die größte zusammenhängende Plattenbausiedlung Deutschlands ─  gewidmet. Dort erhielten die Teilnehmenden Einblicke in strategische Ansätze und praktische Erfahrungen zur Entwicklung und Modernisierung großer Wohnsiedlungen. Vertreter des Kompetenzzentrums Großsiedlungen e.V. präsentierten Maßnahmen und Instrumente der städtischen Energiemodernisierungspolitik, die in den vergangenen 30 Jahren erarbeitet und umgesetzt wurden.

Die IWO stellte zudem die Erfahrungen der baltischen Staaten bei der Modernisierung von Wohnungsbeständen in industriell geprägten Stadtgebieten vor. Besonderes Augenmerk galt den von der IWO begleiteten Pilotprojekten sowie dem Aufbau von Unterstützungsstrukturen für Wohnungseigentümerinnen und Wohnungseigentümer nach dem sogenannten One-Stop-Shop-Prinzip. Dieser Ansatz begleitet Eigentümer durch den gesamten Modernisierungsprozess – von der Erstberatung und dem Energieaudit über die Projektvorbereitung und die Erschließung von Finanzierungsmöglichkeiten bis hin zur Zusammenarbeit mit Auftragnehmern und zur Qualitätssicherung der ausgeführten Maßnahmen. Ziel ist es, die Planung und Umsetzung energetischer Sanierungen zu erleichtern und die Eigentümer bei allen Verfahrensschritten kompetent zu unterstützen.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Programms war die Beschäftigung mit dem System der beruflichen Aus- und Weiterbildung in der Bauwirtschaft. Vertreterinnen und Vertreter des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) sowie des Oberstufenzentrums Bautechnik I in Berlin informierten über die Organisation der beruflichen Bildung in Deutschland und die Qualifizierung von Fachkräften, die für eine hochwertige und energieeffiziente Modernisierung des Gebäudebestands erforderlich sind.

Zum Abschluss des Arbeitsbesuches in Berlin lernten die kasachischen Fachleute das Konzept der seriellen Sanierung von Mehrfamilienhäusern (Energiesprong) kennen. Die Einführung in dieses innovative Konzept durch die IWO wurde mit einer Exkursion nach Ludwigsfelde zum Pilothaus ergänzt. Ein fünfstöckiges Wohnhaus (Plattenbau) wurde vom Wohnungsunternehmen „Märkische Heimat“ gemeinsam mit dem Komplettanbieter Seeria Renova seriell saniert. Die Teilnehmenden erhielten dabei Einblicke in die praktische Umsetzung serieller Sanierungslösungen, die eine deutliche Beschleunigung energetischer Modernisierungen bei gleichzeitig hoher Ausführungsqualität ermöglichen.

Vom Lernen zum Handeln

Anara Darzhanova, Vorsitzende des Stadtrats von Aktobe, erklärte: „Diese Reise hat uns nicht nur einen Einblick in die technische Umsetzung der energieeffizienten Modernisierung von Gebäuden gegeben, sondern auch ein tieferes Verständnis für die Organisation des Modernisierungsprozesses selbst ermöglicht. Die Teilnehmer diskutierten intensiv über die in unserem Land bestehenden Hindernisse, die einer breitflächigen Modernisierung von Mehrfamilienhäusern im Wege stehen – legislative, finanzielle, soziale und andere –, sowie über Wege zu deren Überwindung. Nach unserer Rückkehr nach Kasachstan beabsichtigen wir, die Diskussion über die Modernisierung des Wohnungsbestands der Stadt Aktobe fortzusetzen und die Möglichkeiten zur Umsetzung von Pilotprojekten zur energieeffizienten Modernisierung von Mehrfamilienhäusern zu prüfen, um die Erfahrungen aus Berlin in unserer Stadt in die Praxis umzusetzen.“

 

Abai Saktaganov, Abgeordneter des Stadtparlaments, unterstützte die Position des Vorsitzenden des Stadtparlaments von Aktobe: „Für uns war diese Reise eine wichtige praktische Erfahrung! Wir haben gesehen, dass die energieeffiziente Modernisierung von Wohnraum nicht nur eine Frage der Technologie oder der Gebäudesanierung ist, sondern auch eine Frage der richtigen Prozessorganisation, der Zusammenarbeit mit den Bewohnern, der Transparenz von Entscheidungen und der Verantwortung der lokalen Behörden. Ich unterstütze die Position von Anara Darzhanova: Die gewonnenen Erfahrungen müssen für die Diskussion konkreter Pilotprojekte in der Stadt Aktobe genutzt werden.“

 

Der Abgeordnete des Regionalparlaments Estay Sisenbaev betonte die Bedeutung der gewonnenen Erfahrungen für die gesamte Region Aktobe: „Die Erfahrungen aus Berlin haben gezeigt, wie wichtig es ist, die Modernisierung des Wohnungsbestands als die Zusammenarbeit zwischen lokalen Vertretungen, Exekutivorganen, Experten, Wohnungseigentümern und der Zivilgesellschaft zu betrachten. Wir danken den Organisatoren für die Möglichkeit, solche Ansätze in der Praxis kennenzulernen. Ich stimme zu, dass der nächste Schritt darin bestehen sollte, die Möglichkeiten der Anwendung dieser Erfahrungen in der Region Aktobe zu erörtern, unter anderem durch Pilotprojekte zur energieeffizienten Modernisierung von Mehrfamilienhäusern.

Somit war die Bildungsreise nach Berlin nicht nur eine Gelegenheit, deutsche Erfahrungen kennenzulernen, sondern auch ein erster Schritt zur Ausarbeitung einer konkreten Handlungsagenda für die Stadt Aktobe.

Der zweite Schritt könnte die Erörterung von Pilotprojekten zur energieeffizienten Modernisierung von Mehrfamilienhäusern unter Beteiligung des Maslikhats der Stadt Aktobe, des Akimats, von Vertretern der Wohnungseigentümer, des Bausektors, von Experten und zivilgesellschaftlichen Organisationen sein.

Ein solcher Dialog könnte dazu beitragen, die in Berlin gewonnenen Erfahrungen an die lokalen Rahmenbedingungen anzupassen und konkrete Maßnahmen für eine nachhaltige Modernisierung des Wohnungsbestands in Aktobe auf den Weg zu bringen.

Fortsetzung des Dialogs in Berlin

An die Bildungsreise schlossen sich vom 17. bis 21. Mai weitere Fachveranstaltungen an, die von der Deutschen Energie-Agentur (dena) und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) im Rahmen des „Energiedialogs zwischen der Republik Kasachstan und der Bundesrepublik Deutschland“ organisiert wurden. Die Veranstaltungen richteten sich an Vertreterinnen und Vertreter des Ministeriums für Industrie und Bauwesen der Republik Kasachstan sowie an Fachleute aus der Bauwirtschaft und dem Wohnungs- und Kommunalsektor.

An den Programmpunkten von dena und GIZ nahmen auch Vertreterinnen der von der IWO organisierten Bildungsreise teil: die Vorsitzende des Maslikhats der Stadt Aktobe, Anar Darzhanova, sowie die Präsidentin des Fonds zur Entwicklung des Parlamentarismus in Kasachstan, Zauresh Batalova.

Ziel der Teilnahme war es, den fachlichen Austausch zur energieeffizienten Modernisierung des Wohnungsbestands fortzuführen und die rechtlichen, finanziellen sowie institutionellen Rahmenbedingungen für die Umsetzung umfassender Modernisierungsprogramme in den Städten Kasachstans zu erörtern. Im Mittelpunkt standen dabei Fragen der politischen Steuerung, der Finanzierung, der institutionellen Zusammenarbeit sowie der Entwicklung geeigneter Unterstützungsinstrumente für Eigentümerinnen und Eigentümer von Wohngebäuden.

Praktische Bedeutung für ENABLE

Die Bildungsreise nach Berlin war eines der Instrumente zur Stärkung der Kapazitäten der kasachischen Teilnehmer des ENABLE-Projekts. Sie ermöglichte es, internationale Erfahrungen, die lokalen Bedürfnisse der Stadt Aktobe und das übergeordnete Ziel – die Stärkung der Rolle der Zivilgesellschaft und der lokalen Behörden bei der Entscheidungsfindung zu Fragen der nachhaltigen Wohnungswirtschaft – miteinander zu verbinden.

Im weiteren Sinne zeigt die Erfahrung der Zusammenarbeit des Fonds zur Entwicklung des Parlamentarismus in Kasachstan mit den Maslikhats, dass die Nachhaltigkeit des ENABLE-Projekts nicht nur von Fachmaterialien und internationalem Austausch abhängt, sondern auch von der Fähigkeit, neue Ansätze in der realen institutionellen Praxis auf lokaler Ebene zu verankern.

Daher ist die Zusammenarbeit mit den Maslikhats, einschließlich des Maslikhats der Stadt Aktobe, einer der wichtigen Faktoren für die langfristige Wirkung des ENABLE-Projekts. Sie ermöglicht es, internationale Erfahrungen und fachliche Empfehlungen in die Praxis der lokalen repräsentativen Verwaltung umzusetzen, Pilotprojekte zu diskutieren und die energieeffiziente Modernisierung des Wohnungsbestands in Kasachstan voranzutreiben.

Weitere Bilder

Die kasachische Delegation während der Studienreise, u.a. bei der Besichtigung eines seriell sanierten Mehrfamilienhauses in Ludwigsfelde (letzte beide Bilder). Alle Fotos: IWO e.V.

Weiterführende Informationen

Ihr Ansprechpartner

Larissa Schreckenbach

Projektleiterin
Zentralasien | Ukraine
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