Osteuropa

 

Ein weiter Begriff...

Historische und geopolitische Entwicklungen und Gemeinsamkeiten prägen den Begriff, unter dem IWO die Region "Osteuropa" zusammenfasst: sie erstreckt sich von der Oder-Neiße-Linie und der östlichen Adria im Westen bis jenseits von Kasachstan im Osten, von Estland im Norden bis nach Aserbaidschan und Turkmenistan im Süden.

 

Bei allen Unterschieden so nah…

In Fragen des Klimaschutzes und der Nachhaltigkeit haben sich die Länder der osteuropäischen Region den gleichen Zielen verpflichtet wie ihre westeuropäischen Nachbarn und die internationale Staatengemeinschaft. Ihre Voraussetzungen und Herausforderungen unterscheiden sich jedoch mitunter gravierend.

Die großflächigen Privatisierungen von Wohnraum im Laufe der 1990er führten zu heute deformierten Märkten mit Eigentümeranteilen zwischen 80 und 100 Prozent. Die Mehrheit des Wohnraums verteilt sich auf große Wohnkomplexe, die in Plattenbauweise während der Sowjetzeit erbaut wurden und oft schon kurz nach der Errichtung große bauliche und energetische Mängel aufwiesen. Diese wiederum ziehen mitunter prekäre Wohn- und Lebenssituationen für die heutigen Bewohner nach sich. Während in vielen Ländern Westeuropas ein oder wenige Eigentümer solche Mehrfamilienhäuser besitzen und verantworten, sind es in Osteuropa oftmals so viele Eigentümerparteien in einem Mehrfamilienhaus wie Wohneinheiten. Vor diesem Hintergrund stehen die Wohnungsmärkte hier vor besonderen Herausforderungen, zu deren Lösung insbesondere Deutschland – mit seiner spezifischen Expertise aus der Transformation des Wohnungssektors in den neuen Bundesländern nach der Wiedervereinigung – aber auch andere europäische Länder wichtige Erfahrungen und Lösungsansätze beitragen können.

 


Im Blick: Deutschland

Sanierungsarbeiten an einem Plattenbau in Berlin. Foto: IWO e.V.

"Unser" Osteuropa

Die gemeinsame Vergangenheit in der sozialistischen Planwirtschaft und daraus entstandene Auswirkungen für Wohnungsbau und Wohnkonzepte sind Ausgangspunkt für die Definition der Region, die IWO unter "Osteuropa" zusammenfasst.

Entsprechend ihrer bisherigen Entwicklung und Voraussetzungen vor allem auf wirtschaftlicher und politischer Ebene unterscheidet IWO zwischen vier Teilregionen, die zusammen "unser" Osteuropa ergeben:

 

  • Mittel- und Osteuropa (EU)
  • Östliche EU-Nachbarschaft, insbesondere Ukraine
  • Kaukasus
  • Zentralasien
  • Südosteuropa (inkl. EU-Beitrittskandidaten)

 

Für jede dieser Regionen werden hier in Kürze Einzelüberblicke sowie Länderbeispiele zusammengestellt sein.

Bei der Suche und Entwicklung von konkreten Lösungsansätzen und Projektvorhaben wiederum gilt es, unbedingt zwischen den einzelnen Ländern dieser Regionen zu unterscheiden.

Besonders die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungsprozesse der Länder Osteuropas nach dem Ende der Sowjetunion verliefen sehr unterschiedlich und halten vielerorts bis heute an. Während einige osteuropäischen EU-Mitglieder wie Polen und die Tschechische Republik einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebten und auch im Gebäudebereich früh eigene Strategien und Ansätze für die Modernisierung des Bestands entwickelten, bleiben andere Länder bis heute weit hinter ihren Entwicklungspotentialen zurück. Neben Ländern wie der Ukraine oder Belarus gilt das auch für Mitgliedstaaten der EU wie Rumänien und Bulgarien. Auch in den Staaten der Balkanregion, von denen die meisten einen EU-Beitritt anstreben, bestehen große Herausforderungen sowohl im Gebäudebereich, als auch im sozialpolitischen Bereich. Neben ausstehenden strukturellen und institutionellen Entwicklungen in diesen Ländern hemmen Faktoren wie Abwanderung der jungen Bevölkerung ins Ausland auf der Suche nach besseren Lebensperspektiven, Korruption, Demokratiedefizite und zu wenig ausdifferenzierte Steuerpolitik den (auch wohnungs)wirtschaftlichen Anschluss an die mittel- und westeuropäischen Nachbarn.

 


Im Blick: Kaukasus

Renovierungsbedürftiges Wohnhaus in Batumi, Georgien (2017), Foto: IWO e.V.

 

In Kürze: EU-Osteuropa

Wie in vielen Ländern weltweit entfällt in Osteuropa ein Großteil des Energieverbrauchs auf Bestandsgebäude. Laut dem Metropolitan Research Institute (MRI) entfallen in sieben von elf neuen EU-Ländern gut 50 Prozent des Primärenergieverbrauchs auf den Gebäudesektor. Das Potential für Beiträge zu Dekarbonisierung und Klimaschutz ist entsprechend groß, insbesondere im Hinblick auf die zumeist bautechnisch veralteten und modernisierungsbedürftigen Wohngebäude. Zugleich liegen Sanierungsraten in Osteuropa im Jahresdurchschnitt bei niedrigen 0,2 Prozent, wenn gleich sie von Land zu Land variieren. In West- und Mitteleuropa betragen sie immerhin zwar ebenfalls unzureichende, aber höhere 0,4 bis 1,2 Prozent (Building Stock Observatory, EC 2018).

Die UNECE hat für die Staaten der postsowjetischen Region jeweils Länderprofile zu den Themen Stadtentwicklung, Wohnen, Landnutzung erstellt.