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Initiative Wohnungswirtschaft Osteuropa (IWO) e.V.Initiative Wohnungswirtschaft Osteuropa (IWO) e.V.


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Mehr Energieeffizienz im Immobiliensektor in Mittel- und Osteuropa


Nach der erneuten Unterbrechung der Gaslieferungen Russlands an die Ukraine zum Jahrswechsel 2009 werden in den Medien und der Politik zunehmend Sorgen um die Sicherung künftiger Gaslieferungen laut. Die Potentiale der Energieeinsparung und der Energieeffizienz, vor allem im Immobiliensektor in Mittel- und Osteuropa finden dabei weiterhin zuwenig Beachtung. Dies stellte der Vorstand der Initiative Wohnungswirtschaft Osteuropa (IWO) e.V. auf seiner Vorstandssitzung im Januar 2009 fest.

Im ukrainischen Wohnungsbestand ist der Verbrauch von Heizwärme einer Schätzung der Vereinten Nationen zufolge drei- bis fünfmal höher als in westeuropäischen Ländern. Infolge der massenhaften Privatisierung der Wohnungen an die ehemaligen Mieter ist der Sektor weitgehend handlungsunfähig geworden. Die aus politischen Gründen niedrig gehaltenen Preise für Heizwärme stellen zudem keine Motivation für die Wohnungseigentümer, ihre Gebäude energetisch zu sanieren, dar.

Marco von Maltzan, Vorstandsvorsitzender der IWO hebt hervor, dass moderne Produkte, wie beispielsweise Fenster mit Wärmeschutzverglasungen und Wärmedämmverbundsysteme für Fassaden sowie andere innovative technische Lösungen für die Wohnungswirtschaft, längst auch in Ländern wie der Ukraine verfügbar sind. Sein Unternehmen, Profine International Profile Group GmbH, ist beispielsweise Marktführer bei PVC-Kunststoffprofilen in der Ukraine. Das Unternehmen eröffnet demnächst eine eigene Produktionsstätte vor Ort. Durch energetische Gebäudesanierung lässt sich zu vertretbaren Kosten – wie IWO in mehreren Pilotprojekten in Osteuropa nachweisen konnte – der Heizwärmeverbrauch halbieren. Da der Gebäudebestand der größte Energieverbraucher einer Volkswirtschaft ist, können hier auch die größten Einsparreserven erschlossen werden. Die Praxis sieht jedoch anders aus. Gebäudesanierung – die in Deutschland längst einen wichtigen Beitrag für die Konjunktur leistet - findet in Osteuropa bisher überhaupt nicht statt.

In der Ukraine müssten die maßgeblichen Bauteile wie Fenster, Fassade, Dächer und Heizungsanlagen von rund 230.000 Mehrfamiliengebäuden dringend saniert werden. Die ukrainische Regierung sieht hier einen Investitionsbedarf von 230 Mrd. UAH (rund 2,3 Mrd. Euro). Dies entspräche rund einem Drittel des aktuellen ukrainischen Bruttoinlandsprodukts. Hinzu kommen notwendige Investitionen in die Wärme- und Wasserversorgung. Unter deutschen Gesichtspunkten ist dieser Bedarf, auch vor dem Hintergrund notwendiger substantieller Energieeinsparungen, um ein Vielfaches höher einzuschätzen.

Die ukrainische Regierung hat nach eigenen Angaben im letzten Jahr gerade einmal rund 1 Mrd. UAH (ca. 100 Mio. Euro) für die Gebäudesanierung ausgegeben. Die Erneuerungsrate im Gebäudebestand ist weiterhin außerordentlich gering.

Dies trifft auch auf andere osteuropäische Länder und natürlich auch auf den Gasgiganten Russland selbst zu. Die jährliche Sanierungsrate in den baltischen EU-Ländern Estland, Litauen und Lettland liegt weiterhin deutlich unter einem Prozent des Gebäudebestandes. In Lettland, das zu nahezu 100 Prozent von russischen Gasimporten abhängig ist, ist die Lage besonders düster. Hier gibt es im Gegensatz zu Litauen, wo bis 2020 ein Großteil des Wohngebäudebestandes, rund 18.000 Gebäude, mit staatlichen Programmen saniert werden sollen, keinerlei Aktivitäten in diesem Sektor.

Dabei stehen neben den modernen deutschen Baumaterialien und –technologien umfangreiche deutsche Sanierungserfahrungen, wohnungswirtschaftliche Konzepte und auch finanzielle Mittel  zur Verfügung.  Der Verein IWO, getragen von Akteuren aus der deutschen Wirtschaft, arbeitet seit sieben Jahren an Konzepten für die Transformation der osteuropäischen Wohnungswirtschaft und die energetische Gebäudesanierung. Der politische Wille in Ländern wie Ukraine oder auch anderen osteuropäischen Staaten hier selbst aktiv zu werden, ist bisher kaum vorhanden. Das Thema erscheint Politikern und Beamten als zu komplex und die Vorteile der energetischen Sanierung für alle Beteiligten werden nicht gesehen, weiß das geschäftsführende IWO-Vorstandsmitglied, Knut Höller, zu berichten.

Die sechs IWO-Vorstandsmitglieder, die namhafte Unternehmen u. a. der deutschen Bau- und Wohnungswirtschaft vertreten, fordern daher deutlich mehr politisches Engagement für mehr Gebäudeenergieeffizienz in den mittel- und osteuropäischen Ländern. Die Politik sollte die Angebote und die Kompetenz der Wirtschaft dafür nutzen, konkrete Angebote für verbindliche gemeinsame Projekte zu unterbreiten und so den Reformprozess auf diesem Gebiet zu beschleunigen.  Das Energieeinsparpotential zu erschließen, erscheint den IWO-Akteuren letztendlich eine ebenso wichtige Aufgabe und Herausforderung, wie die Sicherung der Beschaffung von Energie aus dem Osten, insbesondere aus Russland.

Angesichts des enormen Fachkräftemangels im Bau- und Wohnungssektor in vielen osteuropäischen Ländern bereitet IWO gemeinsam mit seinen Mitgliedsunternehmen derzeit einen Ausbildungsgang zum Wohngebäudesanierungsmanager vor. Das erste Projekt beginnt im Februar 2009 in Litauen. Dort gibt es angesichts eines konkreten staatlichen Förderprogramms, das zu ersten Sanierungen im Wohnungsbestand führt, den dringenden Bedarf an Fachkräften für die Betreuung der Sanierungsprojekte der Wohneigentümergemeinschaften. Klaus Leuchtmann, IWO-Vorstandsmitglied und Vorstandsvorsitzender des Europäischen Bildungszentrums für die Immobilien- und Wohnungswirtschaft in Bochum, unterstützt dieses Projekt und hebt den Zusatznutzen für die deutsche Exportwirtschaft durch Aus- und Weiterbildungsprojekte hervor.

 


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